Lisi in Lübeck
Zuhause

Fruchtfliegen im finnischen Übertopf

Mein schönster Übertopf ist ein Souvenir aus Finnland. Leider wohnt inzwischen ein ganzes Volk darin, das keine Miete zahlt.

Frisch eingetopfte junge Pflanze in dunkler, lockerer Erde

Ich muss euch von meinem Lieblingsübertopf erzählen, und es wird keine schöne Geschichte. Also, halb. Der Topf selbst ist wunderschön: gekauft in Finnland, mitgeschleppt im Handgepäck, gehütet wie ein Kronjuwel. Er steht in der Küche, es wohnt eine Pflanze drin, und seit ein paar Wochen wohnt da noch etwas anderes drin. Fruchtfliegen. Beziehungsweise Trauermücken, wenn man es genau nimmt, aber die Insekten haben sich mir nicht offiziell vorgestellt.

Ohne Ende, sage ich euch. Man gießt, und es steigt eine kleine Staubwolke aus Flügeln auf. Man sitzt mit dem Kaffee daneben, und es landet einem eine im Gesicht, ganz ohne Termin.

Was ich bisher versucht habe

Streichhölzer kopfüber in die Erde stecken, das soll angeblich helfen, wegen des Schwefels. Ergebnis: Die Mücken haben jetzt Dekoration. Weniger gießen, damit die Erde trocken bleibt. Ergebnis: Die Pflanze war beleidigt, die Mücken nicht. Ein Schälchen mit Apfelessig und Spülmittel daneben. Ergebnis: gemischt, würde ich sagen. Es sind welche hineingefallen, aber die Population wirkt insgesamt ungebrochen optimistisch.

Man kann nicht alles kontrollieren. Manches kann man nur beobachten und dabei zunehmend persönlich nehmen.

Der Punkt, an dem ich jetzt bin

Ich habe beschlossen, den Topf einfach weiter existieren zu lassen, samt Bewohnern. Nicht aus Weisheit, sondern aus Erschöpfung, aber von außen sieht beides gleich aus. Vielleicht ziehe ich die Pflanze im Herbst um, mit frischer Erde und einem ernsten Gespräch.

Und falls jemand von euch ein Hausmittel kennt, das wirklich funktioniert: Ich meine es ernst, schreibt mir. Ich bin bei Fruchtfliegen inzwischen in einem Stadium, in dem ich auch Vollmond-Rituale in Erwägung ziehe. Der Topf ist es wert. Er ist aus Finnland. Er kann nichts dafür.