Lisi in Lübeck
Garten

Das Beet macht einfach weiter ohne mich

Eine Woche krank, und der Garten hat es nicht mal gemerkt. Über Erdbeerblüten, verschollene Karotten und botanische Demut.

Dicht gewachsene Erdbeerpflanzen mit kleinen grünen Früchten im Hochbeet

Ich war eine Woche außer Gefecht. Erkältung, Stimme weg, Kind auch krank, das komplette Familienpaket. Und wisst ihr, was der Garten in der Zeit gemacht hat? Weitergemacht. Einfach so. Ohne mich. Ich bin mit Taschentuchpaketen durchs Haus geschlurft, und draußen haben die Erdbeeren in aller Seelenruhe Blüten aufgemacht, eine nach der anderen, als wäre ich völlig verzichtbar.

Bin ich offenbar auch. Das ist die vielleicht wichtigste Gartenerkenntnis überhaupt, und niemand schreibt sie aufs Saatgutpäckchen: Das meiste wächst nicht wegen dir. Es wächst trotz dir.

Erdbeerpflanzen voller weißer Blüten im Hochbeet
Die haben nicht mal nach mir gefragt.

Zwischenstand aus dem Hochbeet

Damit ihr auf dem Laufenden seid, hier der offizielle Beet-Bericht Ende Mai. Die Erdbeeren: Blüten ohne Ende, siehe oben, Prognose hervorragend. Der Schnittlauch: nach dem Radikalschnitt schon wieder explodiert, der Mann ist nicht kleinzukriegen. Die Erbsen: klettern tapfer an ihrem Bambuszelt, wir hatten darüber gesprochen. Und die Karotten: Ja. Also. Die Karotten zeigen sich noch nicht. Ich habe sie gesät, ich war dabei, ich habe Zeugen. Aber da unten herrscht Funkstille.

Ich habe beschlossen, dass das okay für mich ist. Karotten sind introvertiert. Die brauchen länger.

Gärtnern ist die Kunst, so zu tun, als hätte man alles unter Kontrolle, während einem Pflanzen beim Gegenteil zusehen.

Die Tomaten-Frage

Bei den Tomaten habe ich dieses Jahr geschummelt und Jungpflanzen gekauft, statt selbst vorzuziehen. Ich stand vor dem Regal mit den kleinen Töpfen und hatte kurz ein schlechtes Gewissen, so ein richtiges Gartenmenschen-Gewissen. Dann habe ich mir gesagt: Lisi, du hattest eine Woche keine Stimme, du darfst Tomaten kaufen. Manchmal ist Selbstfürsorge einfach ein Zehnerpack Setzlinge.

Das Beet und ich, wir haben uns jedenfalls wieder vertragen. Ich gieße, es wächst, und wir erzählen beide niemandem, wie wenig das eine mit dem anderen zu tun hat.