Lisi in Lübeck
Unterwegs

Der Feldweg hinterm Haus

Unsere Hausrunde: zwei Fahrspuren, dazwischen Gras, drumherum alles. Ein Loblied auf den unspektakulärsten Spazierweg von Ostholstein.

Grasbewachsener Feldweg mit zwei Fahrspuren, der geradeaus in die grüne Weite führt

Jeder hat so einen Weg. Den, den man nicht mehr richtig ansieht, weil man ihn zu oft gegangen ist. Bei uns ist es der Feldweg hinterm Haus: zwei sandige Fahrspuren, in der Mitte ein Streifen Gras, links Knick, rechts Knick, und am Ende die Frage, ob man die große oder die kleine Runde macht. Wir machen fast immer die große. Ida stimmt mit den Pfoten ab.

Ich habe irgendwann angefangen, diesen Weg mit der Kamera zu filmen, und erst auf dem Bildschirm gesehen, wie schön er eigentlich ist. Das ist ein bisschen beschämend, wenn man ehrlich ist. Man braucht ein Gerät für 500 Euro, um zu merken, was direkt hinterm Gartentor liegt.

Ida läuft weit vorne auf einem grünen Waldpfad zwischen hohen Bäumen
Ida läuft immer 30 Meter Vorsprung. Sicherheitsabstand zu meiner Plauderei.

Was auf so einem Weg passiert

Nichts. Also, offiziell nichts. Inoffiziell: Der Raps blüht auf, dann ab. Die Pfützen wechseln ihre Standorte wie kleine Wanderzirkusse. Im Mai riecht der Knick eine Woche lang so gut, dass ich jedes Mal stehen bleibe und schnuppere wie ein Kurgast. Und einmal im Monat treffen wir den älteren Herrn mit dem Dackel, und Ida und der Dackel tun beide so, als würden sie sich zum ersten Mal sehen.

Die große Runde dauert 40 Minuten. Außer man guckt richtig hin, dann dauert sie länger.

Ich glaube, das ist der eigentliche Grund, warum ich vlogge und jetzt auch schreibe. Nicht um etwas festzuhalten, das besonders ist. Sondern um dem Gewöhnlichen so lange hinterherzugucken, bis es besonders wird. Der Feldweg hinterm Haus ist mein Beweisstück Nummer eins. Kommt gut durch die Woche, und geht mal wieder eure Hausrunde. Aber langsam.