Einmal Bauhaus, einmal Baustelle

Es gibt zwei Sorten Baumarktbesuche. Die eine: Man weiß genau, was man braucht, geht rein, kauft es, geht raus, acht Minuten, Weltrekord. Die andere: Man weiß genau, was man braucht, und kommt trotzdem mit Bio-Erde, einem Zehnerpack Anzuchttöpfen, zwei Rollen Spanndraht und einer Pflanze heraus, die einen „angeguckt hat”. Ihr ahnt, welche Sorte ich bin.
An diesem Tag stand offiziell nur Draht auf der Liste, für die Rankhilfe im Beet. Ich habe vor dem Regal gestanden und die Rollen verglichen wie andere Leute Aktienkurse. Grün ummantelt oder blank? Welche Stärke? Am Ende habe ich beide genommen. Für die Wissenschaft.
Weiter nach Zarpen
Danach ging es auf die Baustelle nach Zarpen, wo bei uns gerade ein Projekt läuft, über das ich irgendwann mehr erzähle, wenn es weniger nach Rohbau und mehr nach irgendwas aussieht. Baustellen sind ehrliche Orte. Da steht man zwischen Dämmwolle und Kabelsträngen, und nichts tut so, als wäre es schon fertig. Ich mag das. Ein Haus im Werden ist ein bisschen wie ein Beet im März: Man braucht Fantasie und Gummistiefel.
Ida war natürlich dabei, als Bauaufsicht mit kaltfeuchter Nase. Auf Baustellen darf sie nicht überall hin, also hat sie vom Weg aus alles im Blick behalten und jeden Handwerker persönlich begrüßt, ob er wollte oder nicht.
Produktivität ist relativ. Ich habe heute nichts fertig bekommen, aber alles vorbereitet. Das zählt. Das muss zählen.
Abends stand der Kofferraum voll mit Tüten, das Beet hatte seinen Draht noch nicht, und ich war trotzdem sehr zufrieden mit mir. Es gibt Tage, die sind wie Anzuchttöpfe: Da ist noch nichts zu sehen, aber es ist alles drin.