Ich habe die Erbsen zu eng gepflanzt

Es gibt Menschen, die lesen erst die Anleitung und pflanzen dann. Ich gehöre zu den anderen. Deshalb stehen in meinem Hochbeet jetzt Erbsen in einem Abstand, den man wohlwollend „gesellig” nennen könnte. Viel zu eng, natürlich. Aber jetzt sind sie nun mal da, und rausreißen kommt nicht in Frage. Wir sind hier nicht bei den Römern.
Also Plan B: nach oben. Wenn die Damen schon keinen Platz zur Seite haben, dann sollen sie eben klettern. Ich habe Bambusstäbe ins Beet gesteckt, ein Zelt daraus gebaut und Spanndraht dazwischen gezogen, damit sich die Ranken festhalten können.
Beim Draht habe ich mich übrigens direkt gepiekst. Zack, blutiger Finger, kurzes inneres Drama, Blutvergiftung, Abschiedsbrief, das volle Programm. Dann habe ich weitergemacht. Gärtnern ist zu achtzig Prozent Weitermachen mit leicht verletztem Stolz.
Die Baustelle mit vier Pfoten
Während ich also da knie und bastle, steht Ida daneben und guckt mich an, als hätte ich das alles nur für sie aufgebaut. Ein Rankgitter ist aus Hundesicht offenbar eine Art Kussgitter. Sie hat ihre Nase durch jede Lücke gesteckt, die sie finden konnte, und irgendwann habe ich aufgegeben und mich eben durchknuddeln lassen. Die Erbsen mussten warten.
Die eigentliche Frage ist jetzt: Hält die Konstruktion? Ida hat einen Schwanz mit der Zerstörungskraft einer kleinen Abrissbirne, und das Bambuszelt steht genau auf ihrer Lieblingsroute durchs Beet. Ich gebe dem Ganzen ehrlich gesagt fünfzig Prozent auf die nächsten 24 Stunden.
Man pflanzt nicht für das Ergebnis. Man pflanzt, um im April draußen knien zu dürfen.
Falls ihr es genauer wissen wollt: Der Schnittlauch, den ich neulich hardcore zurückgeschnitten habe, ist übrigens schon wieder explodiert. Kräuter sind die einzigen Lebewesen in diesem Garten, die von meiner Pflege komplett unbeeindruckt bleiben. Respekt dafür.