Am Elbe-Lübeck-Kanal

Man wohnt jahrelang neben einem Kanal und läuft immer am selben Ufer. Warum eigentlich? Keine Ahnung. Gewohnheit ist ein Weg, der sich selbst nachzieht. Diese Woche haben Ida und ich zum ersten Mal die Seite gewechselt, einmal rüber und auf der anderen Seite des Elbe-Lübeck-Kanals entlang, und ich kam mir ernsthaft vor wie auf Auslandsreise. Gleicher Kanal, gleiche Bäume, komplett neues Gefühl.
Der Kanal ist übrigens ein Stück Geschichte, auch wenn er so unaufgeregt daliegt. Seit über hundert Jahren verbindet er die Elbe mit der Ostsee, und davor lag hier schon der Stecknitzkanal, auf dem im Mittelalter das Salz nach Lübeck kam. Salzstraße, quasi mit Wasser. Heute schippern hier hauptsächlich Sportboote und Enten mit Revieranspruch.
Kaffee im Wald
Auf halber Strecke gab es Kaffee aus dem Pappbecher, im Stehen, zwischen Bäumen. Ich weiß, dass Kaffee zu Hause besser schmeckt und billiger ist und die Umwelt und alles. Aber ein Waldkaffee ist kein Getränk, das ist ein Standortvorteil. Man hält den Becher, der Hund schnüffelt irgendwo im Unterholz, über dem Wasser hängt dieser grüne Sommergeruch, und für zehn Minuten ist das Leben vollständig sortiert.
Neue Wege müssen nicht weit weg sein. Manchmal reicht die andere Uferseite.
Ida fand die neue Seite übrigens hervorragend, aus Gründen, die man als Mensch nur erahnen kann. Vermutlich riecht die andere Seite nach anderen Hunden, und das ist für sie ungefähr so aufregend wie für mich ein unbekannter Buchladen. Wir kommen wieder, haben wir beschlossen. Sie mit der Nase, ich mit der Kamera, und der Kanal bleibt einfach liegen und lässt uns machen. So funktioniert unsere Beziehung.